Interview

„Es gibt keinen Ort, der frei von Rassismus ist“

Auf ZeitOnline und in der aktuellen Printausgabe der ZEIT ist ein Interview mit mir aus der Reihe „Meine Schule des Lebens“, bei der Menschen über ihren Bildungsweg erzählen, erschienen. Lest es euch (hinter einer paywall) gerne hier durch.
ZEIT: Sie haben mal gesagt: „Meine Mutter hat ihre Träume geopfert, damit ich träumen kann.“
„Da habe ich ein Gedicht von Rupi Kaur zitiert, das zu meiner Mutter passt. Meine Eltern hatten studiert, meine Mutter Wirtschaft, mein Vater Jura. Sie mussten aus politischen Gründen nach Deutschland fliehen, aber ihre Abschlüsse wurden hier nie anerkannt. Stattdessen musste meine Mutter jahrelang als Reinigungskraft arbeiten. Aber sie hatte immer einen Fokus: Ihre Kinder sollen eine gute Zukunft haben. (…) Sie hat aus einem Schrankrücken eine Tafel gebaut und sich aus Mali Schulbücher für Mathe und Französisch schicken lassen. Damit hat sie uns dann zu Hause unterrichtet. Als wir vier Mädchen eingeschult wurden, konnten wir alle lesen, schreiben und rechnen. Und wir waren früh politisch.
(…) Als Kind habe ich sie einmal zu einem teuren Restaurant mit Seeblick begleitet, wo sie als Reinigungskraft arbeitete. Ich dachte: Krass, meine Mutter arbeitet an so einem edlen Ort. Erst später begriff ich, dass viele Menschen solche Jobs nicht wertschätzen – und habe von ihrem Job niemandem mehr erzählt.“
Ich bin so stolz und glücklich so eine Mutter zu haben!