Parlament

Jüdisches Leben sichtbar machen

Als Koalition haben wir einen Berichtsantrag zu den Planungen der Landesregierung anlässlich 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland gestellt, den ihr hier findet.

 

Hier könnt ihr euch meine Rede anschauen.
Meine Rede im Wortlaut:
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
liebe Kolleg*innen,

 

erst einmal vielen Dank für Ihren Bericht Ministerin Prien.

 

Ich bin sehr froh, dass wir heute als Parlament, wie auch im letzten Monat, über jüdisches Leben in Schleswig-Holstein sprechen. Ganz konkret über 1700 Jahre jüdisches Leben in Schleswig-Holstein und was hierfür geplant ist.  Dass wir mit Karin Prien eine Ministerin haben, für die die Sichtbarmachung jüdischen Lebens ein wichtiges Thema ist und wir mit Peter Harry Carstensen einen Beauftragten für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus haben.

 

Das Land Schleswig-Holstein veranstaltet im Jubiläumsjahr zu 1.700 Jahre jüdischem Leben unter dem Motto „SHalom&Moin“ zahlreiche Veranstaltungen. Dabei wird versucht, verschiedene Perspektiven und Bezüge abzudecken.

 

Eine feministische Perspektive mit einem Gespräch mit Debora Antmann wie „Vielfalt und Feminismus: jüdische Feminismen“ des Evangelischen Frauenwerks der Nordkirche.

 

Eine queere Perspektive mit der Fotoausstellung „This is me – queer und religiös“ des Jüdischen Museums Rendsburg.

 

Es geht um „Jüdisches Leben in Deutschland heute – zwischen Zuschreibung und Selbstbestimmung“, eine Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein aus der letzten Woche, aber auch um Antisemitismus und Rechtsextremismus.

 

Und zweiteres ist leider nach wie vor nötig, denn in einer repräsentativen ZDFinfo-Umfrage von 2020 wusste ein Viertel der Befragten nicht, was mit dem Begriff Holocaust gemeint ist. 69 Prozent der Befragten wissen nicht, auf welches Ereignis der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar zurückgeht. Die Befreiung Auschwitz‘.

 

Viele junge Deutsche wissen laut einer CNN-Umfrage kaum etwas über den Holocaust. Von den Befragten in der Altersklasse von 18 bis 34 gaben rund 40 Prozent an, „wenig“ oder „gar nichts“ darüber zu wissen.

 

Das ist ein Problem. Und deswegen ist es wichtig, dass wir als Land, als politisch Verantwortliche Angebote schaffen, damit Menschen sich auch nach der Schulzeit oder zusätzlich zum Schulunterricht damit beschäftigen können.

 

Es geht aber auch ums Tanzen, koscher Kochen, Prosa, Musik, Gottesdienste und um einzelne herausragende Persönlichkeiten, wie Albert Einstein und Hannah Arendt.

 

Was ich besonders gut finde, sind die regionalen Bezüge mit Veranstaltungen wie „Auf den Spuren der Sepharden in Glückstadt“, „Auf den Spuren jüdischer Vergangenheit und Gegenwart in Flensburg“ der Jüdische Gemeinde Flensburg oder der Stadtführung „Kiel im Nationalsozialismus“, veranstaltet vom Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein e.V.

 

Diese regionalen Bezüge finde ich extrem wichtig. Sie geben die Gelegenheit, um sich wirklich damit auseinanderzusetzen, dass einerseits jüdische Menschen schon sehr lange Teil unserer schleswig-holsteinischen Geschichte und Gesellschaft sind. Dass andererseits aber auch die Verfolgung von Jüdinnen und Juden genau hier in Schleswig-Holstein stattgefunden hat.

 

Ich hoffe, dass möglichst viele der Veranstaltungen in Präsenz stattfinden können, wenn die Pandemielage es zulässt, um wirkliche physische Begegnungen möglich zu machen. Denn auch dabei geht es bei diesem Veranstaltungsjahr. Begegnungen zwischen Jüdinnen und Nicht-Jüdinnen zu schaffen und das gemeinsame miteinander Leben weiter sichtbar zu machen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen.

 

Ich finde, es ist gut gelungen, mit den Veranstaltungen zu zeigen, wie vielfältig jüdisches Leben und jüdische Geschichte ist und dass es ein Teil unserer Geschichte ist. Ob in Glückstadt, Flensburg oder Kiel, Jüdinnen und Juden waren schon lange ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft und sind es auch heute.

 

Ich würde sagen, bei diesen Veranstaltungen ist für jede und jeden von uns etwas dabei. Ich kann also nur alle dazu auffordern, sich die eine oder andere Veranstaltung anzuschauen. Ich werde es tun.